Schlagwort-Archive: Jugendliche

tscheggsIkon T und Y

Twerken: Eine meist sexuell gemeinte Handlung, bei der es darum geht, seinen Hintern in einem regelmässigen Rhythmus wie zum Beispiel einem Lied zu schütteln, ohne dass sich der Rest des Körpers bewegt. Dies wird meist von Frauen gemacht, aber es gibt auch viele Videos auf YouTube von Männern, die es zum Spass machen oder so ähnlich…
Sprich: tuörken

YOLO: YOLO ist die Abkürzung der Phrase You Only Live Once und ist eine Aufforderung etwas Verbotenes oder etwas Dummes zu machen, das man mal gemacht haben muss, da man ja nur einmal lebt. YOLO wurde zum Jugendwort des Jahres 2012 gewählt. YOLO wurde von diversen Onlinemedien zu „der neuen Abkürzung die sie gerne hassen werden“ gekürt.
Aussprache: Yolo / Youlou

Severin Obrist

tscheggsIkon S

Sorry Star: …Ist keine Entschuldigung. Oder jedenfalls keine ernst gemeinte. Vielmehr ist es eine relativ abwertende und ironisch gemeinte Ablehnung oder Antwort auf hochnäsiges Benehmen oder wenn jemand von oben herab mit einem spricht. „Sorry Star“ wird oft verwendet wenn zum Beispiel einer von diesen „famen“ Typen gerade zeigt wie viel besser er ist oder wie gut er in dies und das ist. Zudem wird oft noch der Grund dafür angehängt, mit dem das Gegenüber Prahlt. Zwischendurch wird es aber auch gern mal unter Freunden verwendet. Zwar aus demselben Grund aber dafür aus Spass gemeint. Unter Freunden bedeutet es so viel wie „toll und jetzt prahl nicht so“.
Unter Feinden bedeutet es jedoch in etwa „tut mir leid, dass ich nicht so toll bin wie du (ironisch), ist mir im Fall total egal und jetzt hau ab und reg nicht mehr auf“.
A: „Hahaha, lueget mol em B sini schlechti Note a!“
B: „Sorry Star wege vel besser en Mathe ond so.“
Schimpfwörter: Heutzutage, oder auch einfach in unserem Alter, sind Schimpfwörter einfach nicht mehr wirklich schlimm. Wörter wie Arschloch oder Fettsack, wegen dem man in der Grundschule noch zu Mami weinen gegangen ist, werden heute auch gerne mal aus Spass zu einem Freund gesagt, wenn der mal etwas dummes tut ab dem man sich nicht wirklich aufregt. Ausserdem ist es heutzutage mit all den sozialen Netzwerken viel einfacher jemanden anonym zu beleidigen wobei man deshalb möglicherweise schon fast eine Art Immunität dagegen aufbaut

SWAG: Ursprünglich steht SWAG der „Urban Legend“ nach für „Secretly We Are Gay“ und wurde als Codewort benutzt. Seit dem Song „Turn my swag on“ von Money Boy gilt SWAG jedoch als gängige Bezeichnung für eine coole Ausstrahlung. Swag wurde zum Jugendwort 2011 gewählt.
Aussprache: Swääg.

Spider App: Die spider-app, web-app, spiderman-app oder net-app ist eine einfache und kostenlose App für ihr Smartphone, die jedoch sehr viel kosten kann. Sicher haben sie schon mal davon gehört, oder sie haben sie schon selber. Aber was ist es? Ein gefährlicher Virus, oder doch etwas Harmloseres? Einen kleinen Tipp gebe ich schon mal. Die App sieht bei jedem User anders aus. Haben sie es schon rausgefunden? Noch ein Tipp. Es geht um den Bildschirm des Handys. Haben sie es jetzt? Nicht? Ok hier die Auflösung: Die Spider App ist ein lustiger Begriff, den man anstelle von dem doch viel zu einfachen Begriff „Displaybruch“ benutzt, da einen der verbrochene Display manchmal stark an ein Spinnennetz erinnert. Der Begriff entstand etwa in den letzten zehn Jahren, also in der Anfangszeit der Smartphones. Da er so alt ist, ist der Begriff auch schon sehr bekannt und verbreitet, er wird jedoch immer noch häufig verwendet.

Severin Obrist

tscheggsIkon K-M

Ka/vllt/eig…: Heutzutage, mit all den SMS und Message-Diensten wie WhatsApp oder auch schon früher in den alten Chatrooms, hat man nicht immer Lust einen ganzen Roman zu schreiben. Deshalb haben sich schnell sehr viele Abkürzungen definiert. Dazu gehören neuere Beispiele wie Ka (Keine Ahnung), vllt (vielleicht), eig (eigentlich), aber auch viele mehr wie das schon ältere und wahrscheinlich bekanntere bb (Bis Bald).
Läuft bei dir: Das erste deutsche Jugendwort, welches gar kein Wort ist. Dieser auch in der Schweiz ungemein beliebte Satz oder auch die Kurzform oder gleich die Antwort „Läuft“ haben mehrere, wenn auch ähnliche Bedeutungen. Die allgemein anerkannte Bedeutung ist ausgedeutscht so etwas wie „Es läuft gut bei dir“ oder „Du hast es drauf“, wobei die Kurzform „Läuft“ mehr einem „krass“ oder „cool“ gleicht, oder auch gerne benutzt wird um zu bestätigen, dass es läuft. „läuft bei dir“ kann aber auch ironisch verwendet werden, wenn es halt gerade nicht so läuft.
Bsp.
B: hat eine 6 im Test
A:“Läuft bei dir“
B:“Läuft“

Mopfer: Auch hier haben wir wieder eine Wortkombination, wenn auch vielleicht keine ganz so ersichtliche. Dafür ist sie aber umso trauriger. Sie schliesst sich zusammen aus den zwei Wörtern „Mobbing“ und „Opfer“ und bedeutet auch genau das, nämlich Mobbingopfer. Anders als das schon mal vorgestellte „Opfer“, welches auch mal aus Spass unter Freunden benutzt wird, ist dieses Wort unglücklicherweise rein negativ. War „Mopfer“ bis vor wenigen Jahren noch relativ unbekannt, so wird es heutzutage leider viel zu oft zu recht benutzt, da Mobbing an Schulen ein noch immer grösser werdendes Thema ist.

Severin Obrist

tscheggsIkon H

Hobbylos: Wahrscheinlich eines der Jugendwörtern mit den meisten Bedeutungen. Dank dem, hat sich dieses schweizer Jugendwort des Jahres 2010 auch zur verbalen Allzweckwaffe für alles und jeden gemausert. Vom Streber bis zum Sportfreak, jeder musste dieses Wort schon über sich ergehen lassen, auch wenn es meist relativ offensichtlich nicht stimmt. Die meistgebrauchte Bedeutung sollte auch relativ offensichtlich sein: Meist wird „hobbylos“ benutzz, wenn man immer das Gleiche macht. Der Streber wird hobbylos genannt, wenn er lernt (was vielleicht sein Hobby ist), der Sportfreak wird hobbylos genannt, wenn er immer am rumturnen oder am tschutten ist (was sein Hobby ist) und der Computer-Freak wird hobbylos genannt, wenn er immer vor dem Computer sitzt (was auch sein Hobby ist). Wie Sie sehen, ist „hobbylos“ meist auch nicht sehr ernst gemeint. Alle anderen Bedeutungen lassen sich nicht sehr gut erklären, da sie alle sehr situationsabhängig sind, was ja aber auch ein Merkmal für ein Jugendwort ist und einer der Gründe, dass es überhaupt zum Jugendwort des Jahres gewählt wurde.

Hipster: Wenn Sie einer sind, sind Sie eigentlich gar keiner mehr. Denn Hipster sein ist jetzt Mainstream. Wenn Sie jetzt nicht drausgekommen sind, dann erkläre ich es Ihnen jetzt. Wer weiss, vielleicht sind Sie ja einer und sie wissen es gar nicht. Auch wenn man sie hierzulande noch nicht so oft sieht, sind Hipster in Ländern wie der USA schon längst Massenware. Trotzdem haben Sie sicher schon mal einen gesehen. Der stereotypische Hipster trägt Secondhand-Kleider samt Bart und läuft mit einem alternativen Laptop in seinem recyclebaren Jutebeutel durch die Stadt, während er eine „Club Mate“ anstatt eine Mainstream-Cola trinkt. Die Grundidee des Hipsterseins ist eigentlich gar nicht dumm, denn man benutzt vorzüglich „grüne“ und recyclebare Ware und tut alles, um die Umwelt zu schützen. Jedoch wird diese Bewegung meist von Jugendlichen nicht wirklich als das verstanden. Deshalb lacht man meist über die Hipster oder man fängt selber an, alte Kleider zu tragen, aber anstatt aktiv etwas zum Umweltschutz beizutragen, sitzt man nur da und postet auf Facebook und Twitter wie schlimm das alles sei.

Hängs: Ein relativ bekannter Ausdruck, den es auch schon etwas länger gibt, der sich aber gut gehalten hat und wahrscheinlich auch noch sehr lange existieren wird. Das Wort „hängs“ entstand aus dem schon bestehendem „hänge / omehänge“ und bedeutet so viel wie etwa „Nimm es doch mal locker“ oder „Sei nicht immer so angespannt“. Oft wird es auch unter Freunden benutzt, zum Beispiel wenn man jemanden aus Versehen oder zum Spass ein bisschen beleidigt hat und man ihm sagen will, dass es einem Leid tut oder, dass man es nicht ernst meinte.
sprich: heengs

Hashtag: Doppelkreuz „#“. Dient als Verschlagwortung auf Social Networks (soziale Netzwerke). Früher vor allem bei Twitter verwendet, heute praktisch bei jedem Netzwerk gängig, um die Suche nach Wörtern innerhalb eines Netzwerks zu erleichtern. Beispiel hier: #tscheggsikon #socialnetwork
Aussprache: Hääschtäg

Hakuna Matata: Diese Zeile aus einem der wohl berühmtesten Disney-Filme aller Zeiten wird verwendet, um auszudrücken, dass man das Leben mal locker nehmen soll, oder, dass alles gut sei. Wenn man ein bisschen mehr über diese Phrase liest, stellt man fest, dass sie auch genau das bedeutet. Diese Begriffe kommen aus der afrikanischen Sprache Swahili und bedeuten wörtlich übersetzt: Es gibt keine (hakuna) Probleme (matata). In afrikanischen Ländern ist diese Phrase ein weit verbreitetes Sprichwort und Tourismusbüros benutzen ihn als Slogan um zu zeigen, dass man in Afrika problemlos Ferien machen kann.

Severin Obrist

tscheggsIkon F

Fame: Früher waren das noch die „Coolen“. Diese Typen, welche immer in der Pause von Mädchen umringt waren. Doch dieses Wort gibt’s heute gar nicht mehr. Viel zu alt. Heutzutage sind diese Typen nicht mehr „cool“ sondern „fame“. Und wie es sich für ein so ein tolles Wort für so tolle Leute gehört, stammt auch es aus dem Englischen, nämlich von dem Wort „famous“, welches so viel bedeutet wie „berühmt“. „fame“ kann aber auch als Masseinheit benutzt werden.

Famebitch: Eine Person, die alles machen würde, nur um ein bisschen mehr Ruhm zu erlangen, einfach bekannter oder immer im Mittelpunkt sein will. Dieser Begriff entstand in den Zeiten von Facebook und co, in denen es viel einfacher wurde, sich in den Mittelpunkt zu stellen.
Ein Beispiel einer Famebitch: Die Famebitch postet auf z.B. Facebook etwas wie „mir geht es so schlecht“ und tadaa, die Kommentarbox ist voll mit Kommentaren wie „was ist los?“ und so weiter. Schlussendlich steht die Person im Mittelpunkt.
Aussprache: fäim

Flamen/Flamer: Es gibt sie überall. Jeder hasst sie. Und doch haben wir alle es schon einmal getan, oder dachten wenigstens daran, dem Typen vom Schreibtisch nebenan mal zu zeigen was es da besser zu machen gibt. Auf Youtube schreiben sie in den Kommentaren, wieso das Video scheisse ist. Auf Facebook machen sie einem klar, wie total unwichtig man ist, und wie scheisse sein Post ist. Als wäre das schon nicht genug, dann gibt es sie auch noch im echten Leben, wo sie einem zeigen, wie total schlecht seine Arbeit ist und sich dann weit und breit darüber auslassen, was man alles verbessern könne. Wenn sie dann mit der Arbeit fertig sind, dann erklären sie ihrem Mitbewohner, wie schlecht er die Wohnung aufgeräumt hat. Es ist klar, ein Flamer ist jemand, der nichts anderes zu tun hat, als unnötig rumzumotzen über Dinge die ihm egal sein können. Dieses Wort kommt aus dem Englischen, wo es genau da Gleiche bedeutet und wurde einfach eingedeutscht.

Sverin Obrist

tscheggsIkon C-D

Chabo/Babo: Sicher haben Sie das Lied „Chabos wissen wer der Babo ist“ vom deutschen Rapper Haftbefehl schon mal im Radio gehört. Mit dem Titel dieses Liedes meint der Rapper Haftbefehl ungefähr: „Die Jungs wissen wer der Anführer ist.“ Deshalb wird das Wort Babo auch häufig verwendet, um jemandem Chef, Boss oder Anführer zu sagen und mit dem Wort Chabo werden seine „Anhänger“ beschrieben. Wörtlich übersetzt bedeutet Chabo jedoch Junge oder Kerl und das Wort Babo bedeutet Vater, abgeleitet vom türkischen „Baba“. Beide Begriffe kommen aus dem Serbischen, Bosnischen oder Türkischen. Lustigerweise bedeutet Babo im Koreanischen so viel wie Dummkopf oder Narr, was jedoch nichts mit der hierzulande verwendeten Bedeutung zu tun hat.

Chelaxen: Eine Mischform der Wörter Chillen und Relaxen, der die äusserst anstrengende Ausführung des Ausruhens mit Schwerpunkt auf das relaxen bezeichnet. Chelaxen dar nicht mit dem sehr ähnlichen Wort chillaxen verwechselt werden. Beim chillaxen geht es ungefähr um das Selbe, jedoch mit Schwerpunkt auf chillen, also dem rumliegen/hängen. Dieser Begriff wird heutzutage unter uns Jugendlichen jedoch nicht mehr wirklich benutzt ausser zum Spass, da niemand den Begriff wirklich ernst nimmt.
Sprich: Tschilägsen

Creepy: Wenn etwas creepy ist, dann ist es unheimlich oder seltsam. Heutzutage wird der Begriff „Creep“ häufig auf einen Menschen angewandt, der sich komisch, unheimlich, seltsam oder sonst irgendwie abnormal benimmt. Auch etwas sehr „Creepiges“ sind die sogenannten „Creepypastas“. Das sind meist kurze Horrorgeschichten, die meist in der Realität spielen oder in denen es zum Beispiel um Verfluchte Games gehen. Meist sind sie dann auch noch so realitätsgetreu geschrieben, dass man sich immer wieder fragt, ob diese Story nicht doch wirklich in echt passiert ist und immer wieder in der Nacht aus dem Fenster schauen muss, ob da nicht doch irgendein Mann mit einer Axt im Garten steht.

Dafuuq: Eine stark abgekürzte und verschweizerdeutschte Variante des Ausdruckes „what the f**k?“ oder „the f**k?“. dieser Ausdruck wird meist benutzt wenn etwas Unvorhergesehenes, Unglaubliches, Überraschendes passiert. Gemeint ist dann so etwas wie „was zum Teufel ist hier gerade passiert?“. Dieser Ausdruck kann auch im Sinn von „scheisse!“ oder „verdammt!“ gebraucht werden, wenn einem zum Beispiel etwas passiert, über das man sich aufregt.
Sprich: dafuug

Severin Obrist

tscheggsIkon A

Appglänkt / Appgelenkt: Die Bedeutung dieses Wortes hört man wahrscheinlich sofort, oder spätestens wenn man es sich anschaut. Es ist ganz einfach eine Kombination der Wörter „App“ (Applikation, zum Beispiel ein Handyspiel) und „abgelenkt“. Wenn man appgelenkt ist, bedeutet das, dass man sich zu sehr auf sein Handy konzentriert und dadurch nicht mehr auf seine Umgebung achtet, wie sonst auch immer wenn man abgelenkt ist. Appgelenkt zu sein bedeutet für viele jedoch auch schon die Vorstufe zur oder sogar die Sucht selber.
sprich: äppglänkt

Asi: Asi ist schlicht und einfach eine Abkürzung zu dem Wort „Asozialer“. Jedoch wird es heutzutage bei uns Jugendlichen falsch benutzt. Asozial ist man nämlich, wenn man kein soziales Leben mit Freunden und Bekannten hat. Wir benutzen es, um Leute zu beschreiben, welche nicht teilen wollen, geizig sind, nicht helfen wollen und noch mehr Dinge in diese Richtung.

Severin Obrist

Gelebte Toleranz

Christen, Juden, Muslime, Hinduisten: An der Schule Suhr begegnen sich Tag für Tag Menschen unterschiedlicher Religionen. Zwei davon sind Julia Brack und Gizem Talay. Junge Frauen, Freundinnen, über die religiösen Grenzen hinweg. Zwei, die nicht nur von Toleranz reden, sondern Toleranz tagtäglich leben.

Ein Februarabend, wie er im Bilderbuch steht. Dunkel, bitterkalt, der Frost vom nächsten Morgen bereits sichtbar. Julia Brack und Gizem Talay, beide 15 Jahre alt, sitzen mir am grossen Holztisch entspannt gegenüber. Sie beide sind Schülerinnen der Schule Suhr, wollen in ihrem Leben viel reisen und andere Kulturen entdecken. Zwei, die gemeinsam durch dick und dünn gehen, auch wenn es da einiges gibt, was sie voneinander unterscheidet: Abgesehen davon, dass Gizem im Gegensatz zu Julia grüne Bohnen hasst, haben die beiden sehr unterschiedliche kulturelle und religiöse Hintergründe. Julia Brack, die zusammen mit ihren Eltern und ihrem Bruder in Gränichen wohnt, ist in einer reformierten, christlichen Familie aufgewachsen. Gizem hingegen hat türkische Wurzeln, ihre Familie lebt nach der Lehre des Islam, feiert die muslimischen Feste und pflegt die entsprechenden Traditionen. Ihrer Freundschaft stand dies allerdings nie im Weg. Gizem hat da ganz klare Ansichten: «Ich suche mir selbst aus, mit wem ich befreundet sein möchte. Und das hängt ganz sicher nicht mit der Religion zusammen. Klar, ich habe auch muslimische Freunde, aber grundsätzlich macht es für mich keinen Unterschied, ob einer Christ, Jude, Muslim oder sonst was ist.» Julia bekräftigt: «Natürlich hatten wir anfangs und auch jetzt noch sehr viele Diskussionen im Zusammenhang mit unserer Religion. Ein Konfliktpunkt aber war es nie, im Gegenteil. Man muss sich einfach für den anderen interessieren. Gizem zum Beispiel wollte wissen, was wir an Weihnachten eigentlich genau feiern, und wie wir das tun; mich interessierte, wie türkische Hochzeitsfeiern ablaufen, welche Bräuche und Traditionen es gibt. – Die Religion ist nie zwischen uns gestanden.»

Gegen den religiösen Extremismus
Auch was das Ausleben einer Religion angeht, sind sich die beiden einig. Der Glaube ist wichtig, er sollte aber nicht auf eine extreme Weise und schon gar nicht auf Kosten anderer ausgelebt werden, wie dies aktuell etwa die islamistische Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien und im Irak tut. Religion sollte die Menschen näher zusammenbringen – und nicht Hass verbreiten. Sowohl der Islam als auch der christliche Glaube sollten die Menschen zu Toleranz und zu gegenseitigem Respekt erziehen. Sagen die beiden, und ihr Gesicht verrät, dass sie es ernst meinen. Schliesslich leben Sie die geforderte Toleranz ja auch vor.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA«Die Schweiz ist meine Heimat» Weiterlesen

Ballet meets Streetdance – Ein Leben zwischen Welten

Contemporary Dance, Danse Contemporaine, Danza Contemporanea. Die Kunst des Ausdrucks, vereint mit enormer Körperbeherrschung und Kreativität. Das ist Anja Yehias Leidenschaft. Wo Stile wie Ballett und Streetdance aufeinandertreffen, ist sie zu Hause.

Die Tage werden wieder länger, die Abende scheinen heller. Nur der Wind bleibt rau und stürmisch. Es ist Sonntagmorgen, draussen erwacht langsam das Dorf, während wir am Wohnzimmertisch von Anjas Familie sitzen. Trotz des Prüfungsstresses hat sie sich für unser Interview Zeit genommen. Anja, ihre Eltern, ihre Schwester und ihre Katze wohnen in Hunzenschwil, zur Schule geht sie in Suhr. Während unsere Finger im geheizten Wohnzimmer langsam wieder auftauen, beginne ich bereits, Anja mit Fragen zu löchern – und sie gibt bereitwillig Antwort. Zwar lebt sie von Geburt an in der Schweiz, ihre Wurzeln sind jedoch weit verstreut. Ihr Vater kommt aus Ägypten und der Schweiz, ihre Mutter ist Österreicherin und Italienerin. Um zu werden, was sie heute ist, und vor allem: um zu jenem Tanzstil zu finden, der heute ihr steter Begleiter ist, hat sie einige Umwege gemacht; von Fussball im Männerverein über Reiten, Standardtanz, HipHop bis hin zu Wing Chun, einer chinesischen Kampfkunst, hat sie alles ausprobiert. Beim zeitgenössischen, also modernen Tanz ist sie schliesslich hängen geblieben.
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Wenn der Körper tanzen will
Die 16-Jährige, die eine derart starke Abneigung gegen Staubsaugergeräusche hat, dass sie sich beim Zimmerputzen die Ohren mit Stöpseln verschliesst und mit lauter Musik volldröhnt, singt und tanzt ständig und überall. Nur unter der Dusche tanze sie nicht. Rutschgefahr. Weiterlesen