Tomaten-Olivenbrot von Annelies Keller

Annelies Keller betreut in Suhr den Bio-Hofladen auf der landwirtschaftlichen Betriebsgemeinschaft Galegge. Sie hat eine gestalterisch-pädagogische Ausbildung, doch auf dem Hof zieht sie Gemüse und Blumen, kocht Konfitüren und Saucen und bäckt dreimal in der Woche verschiedene Brote und Zopf. Das alles verkauft sie mit weiteren Produkten im Hofladen.

Tomaten-Olivenbrot

ergibt 12 Brötchen

Teig:
1 kg Dinkel-Halbweissmehl
6 dl Wasser
5 g Biohefe
1 EL Olivenöl
20 g Salz

Füllung:
800 g Fleischtomaten
1 Knoblauchknolle
Salz
1 EL Olivenöl
10 gehäufte EL schwarze Oliven, entkernt

Zum Bestreichen:
½ EL Oregano
1 ½ dl Olivenöl

– Alle Zutaten für den Teig miteinander verkneten, bis er sich geschmeidig anfühlt. Mit einem Tuch bedecken und bei Zimmertemperatur mindestens 10 Std. ruhen lassen.
– Tomaten halbieren oder in Scheiben schneiden und mit der Schnittfläche nach oben auf einem Blech ausbreiten. Mit etwas Olivenöl  bestreichen und leicht salzen. Im Backofen bei 150° etwa 2 Std. antrocknen lassen.
– Oliven und die angetrockneten Tomaten kleinschneiden.
– Knoblauchzehen pressen und mit den Tomaten und Oliven mischen.
– Teig in 12 Portionen teilen. Diese mit den Händen etwas auseinanderziehen.
– Ein Blech mit Backpapier belegen.
– Die Tomaten-Oliven-Mischung gleichmässig auf die kleinen Teigfladen verteilen. Den Teig einfalten, zu Brötchen formen und auf das Blech legen.
– Die Teiglinge mit allen 10 Fingern so flachdrücken, dass kleine Mulden entstehen.
– Oregano mit dem Olivenöl mischen und die Brötchen grosszügig damit bepinseln. Etwa 30 Min. ruhen lassen.
– Backofen auf 200° vorheizen und die Brötchen etwa 40 Min. backen.

Das Brot macht sich gut als Apéro, passt zu Salat, Suppen, Gemüseteller, Lammragout und vielem mehr.
En Guete!

Anmerkungen: Annelies verwendet für den Teig weniger Hefe als üblich, lässt ihn dafür aber länger aufgehen. Das Brot wird dadurch sehr gut verträglich.

Anstelle der angetrockneten Tomaten können 150 g Dörrtomaten, in kleine Stücke geschnitten, verwendet werden.

Illustration von Gabi Kopp

Tomaten selber ziehen

josef reichmuth

Sepp Reichmuth, der Suhrer Velomechaniker, ist leidenschaftlicher Tomaten-„Bauer“. An der Veranstaltung in der Badi hatte er bereits erklärt, wie er seine Tomaten selber zieht – nun hat er es noch ausführlich gezeigt:

Zuerst also die Kerne direkt auf ein Stück WC-Papier streichen.

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Dann ein 2. Stück darüber legen. Achtung: Perforationen versetzen, sonst reisst alles.

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Und jetzt an der Sonne trocknen lassen. Am Schluss beschriften.

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Den Winter über an einem trockenen Ort aufbewahren. Ende März auf die Erde in einem Blumentopf (am besten dem Papier-Format entsprechend, einer Blumenkiste…) legen, ein wenig festdrücken, Erde darüber und giessen. In der Wohnung an einen hellen Platz stellen.

Wenn die Keimlinge das 2. Blattpaar zeigen, pikieren. Den ca. 10 cm langen Keimling quer auf die Erde legen, mit der Bleistiftspitze in die Erde drücken, bis nur noch die Blättchen zu sehen sind.

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Genauso schräg/ quer dann auch die grösseren Pflanzen in die Erde bringen. Das fördert das Wurzelwachstum. So kann übrigens auch ein abgebrochener Trieb einfach eingepflanzt werden – die feinen Härchen am Stängel verwandeln sich unter der Erde alle in Würzelchen.

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Sepp Reichmuth hat auch eine besondere Art der Tomaten-Bewässerung erfunden: jeder Stock hängt an der Infusion. Er erhält gebrauchte Infusionsbeutel aus dem Spital, kann damit schön dosieren und mit dem Schlauch wirklich die eine Pflanze mit Wasser versorgen, nicht das Unkraut daneben. UND die Blätter werden nicht nass, was den Tomaten ja bekanntlich nicht gefällt.

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Sepp vermehrt alle möglichen Pflanzen mit ihren Samen oder Kernen – Tagetes und Pfirsiche z.B. – und zweigt auch seine Bäume selber auf. Neben den Tomaten aus Mittelamerika wächst bei ihm noch eine weitere Pflanze aus dieser Gegend hervorragend, die Chayote, verwandt mit dem Kürbis. So viel Erfindungsgeist und Exotisches beim Velomechaniker am Erlenweg!

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Illustration von Gabi Kopp, Fotos von Eli Wilhelm

Räume am Rand

Wo der Galeggenweg in die Obere Dorfstrasse mündet, herrscht freie Sicht auf den Chilehübel. Das Ensemble mit der reformierten Kirche oben und den markanten Bauten unten wird gefasst von der Mauer, die das Bett des Stadtbachs führt. Die grüne Fläche zwischen dem Stadtbach und der Strasse wurde im Laufe der Zeit wohl immer kleiner, aber es gibt sie noch. Und es ist wichtig, dass es diesen Streifen gibt. Er deutet an, dass der Galeggenweg eine kleinere Strasse ist, die in die Landschaft hinaus führt, ins Grüne.

Wenn ich den Blick dann nicht mehr auf den Hügel richte, sondern auf diesen kleinen Grasstreifen im Vordergrund, erstaunt es mich, was sich dort in den letzten Jahren alles angesammelt hat. War es vor drei Jahren der Pfosten mit den Schildern und ein Robidog, so steht dort heute auch noch eine Stele des Audiopfads zum Stadtbach und eine Sitzbank aus einem Steinkorb mit Kunststoffbrettern darauf. Zusätzlich liegen grosse Steine am Boden, und wurde um die Bank herum die Wiese durch einen festeren Belag ersetzt, der dann auch das Ausschneiden des Stellriemens erforderte. Der Robidog fand auf der anderen Seite, in einem weiteren Randbereich, wo bereits eine Trafostation steht, Platz. Alles in Allem ist ein bisschen viel los auf diesen wenigen Quadratmeter Land.

An Rändern bleiben oft Räume übrig, die etwas undefiniert sind. Durch Strassen abgeschnittene Restflächen, die mit dem Kulturland nicht mehr verbunden sind. Gleichzeitig bringt unsere Lebens- und Siedlungsweise eine Vielzahl an Objekten mit sich, die irgendwo im öffentlichen Raum Platz finden müssen. Da scheinen sich solche Inseln anzubieten. Im Grossen sehen wir an Rändern von Städten und Dörfern, dass sich oft Nutzungen ansammeln, die in den Zentren stören oder unpraktisch sind. Im Kleinen kann es zu Übernutzungen kommen, wie es das oben gezeigte Beispiel zeigt. Es ist einfacher, irgendwo etwas hinzustellen, wenn schon etwas da ist.

Ich finde es wichtig, den Blick für die Gestaltung dieser Orte im öffentlichen Raum zu schärfen. Gerade dort, wo man täglich vorbeigeht, fallen diese Dinge nicht mehr so auf.

am Rand 2

Im zweiten Bild ist auch ein Rand zu sehen. Gleich zwei solche Orte gibt es an der Bachstrasse. Im Gegensatz zum ersten Beispiel heitert mich die Situation im zweiten Bild immer auf. Die Wiese ist gross, der Strassenrand klar. Der einzelne Hydrant animiert junge Velofahrer, diesen kleinen Schlenker darum herum zu machen. Verspieltes Gewohnheitsrecht, nicht gestaltet und nicht dauerhaft. Wenn der kleine Umweg nicht mehr benutzt wird, verschwindet er von alleine wieder.

Ihre Fotos und Gedanken zu Räumen am Rand sind gesucht!
Nach zwölf Kolumnen entsteht eine Ausstellung mit Ihren Beiträgen; ein Portrait der Gemeinde Suhr, gemacht von den Menschen hier.

Bitte schicken Sie Ihre Fotos oder Texte zu diesem, oder einem der anderen Beiträge (www.dorfschreiber.ch) an:

Pet Zimmermann
Zimmermann Architekten
Bachstrasse 33
5034 Suhr

oder per whatsapp oder sms auf die Nummer 078 713 44 17

 

 

 

Der Ort in der Mitte

Wenn ich in das neue Schulhaus „Vinci“ eintrete, gelange ich ohne Umwege in die Mitte des Hauses. Der zentrale Raum mit den geschwungenen Treppen reicht bis unter das lichtdurchlässige Dach. Jeder Raum, sei es ein Klassenzimmer, die Bibliothek oder eine Toilette, wird über diesen Raum erschlossen. Jede und jeder durchwandert die Halle beim Kommen, und auch wieder beim Gehen. Es ist ein Ort der Bewegung und der Begegnung von Menschen, klein und gross. Jede Tür, die man von diesem Raum aus durchquert, führt in einen Raum, der spezifischer, ruhiger, und gewissermassen privater ist.

Version 2
Wenn ich in das alte, renovierte Haus an der Bachstrasse 9 eintrete, betrete ich einen Raum, der eine vergleichbare Wirkung hat. Beim Umbau wurde das Haus um die ausgebaute Scheune Richtung Norden erweitert. Der Eingang befindet sich heute dort, wo früher das Tenn mit seinem grossen, alten Holztor war. Dieser Raum bildet die Mitte des neu definierten Hauses. Er macht die ganze Höhe der Scheune sicht- und spürbar, und ist Treffpunkt und Aufenthaltsraum aller Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses, ihrer Nachbarschaft und ihrer Freunde. Von hier aus führen verschiedene Wege in die privateren Wohn-, Schlaf- und Sanitärbereiche.

Die Mitte ist ein Ort dazwischen. Sie ermöglicht Beziehungen zwischen verschiedenen Räumen und ihren Nutzerinnen und Nutzern.
Im Fall des Vinci-Schulhauses liegt dieser Ort auch tatsächlich exakt in der Mitte des Gebäudes. Bei der Bachstrasse 9 hat sich mit der Erweiterung des Wohnhauses ihre Mitte verschoben.

In Suhr können wir zurzeit miterleben, wie mit der Realisierung und der allmählichen Belebung der neuen Überbauungen beim Bahnhof gleichsam eine Dichteverlagerung stattfindet. Ein zusätzliches Angebot an Wohnraum, Läden, Restaurants und Dienstleistungen bringt mehr Menschen in dieses Gebiet. Für mich, die ich seit bald 20 Jahren in Suhr lebe, ist, oder war das Zentrum von Suhr an der Mittleren Dorfstrasse, die die Mitte sogar im Namen trägt. Wenn nun die Mitte des Dorfes, so wie die Mitte des Hauses der Ort ist, der Beziehungen zwischen Räumen und Menschen herstellt, wo ist sie denn heute?
In meiner Fantasie erstreckt sich das Zentrum von Suhr von der mittleren Dorfstrasse bis zum Bahnhof. Herzstück ist die Tramstrasse. Auf diesen gut 400 m hat der Fuss- und Veloverkehr Priorität, und ist die Beziehung zwischen den beiden Strassenseiten wichtiger als die Verbindung des Wynentals mit der Stadt Aarau.

 

Ihre Fotos und Gedanken zur Mitte sind gesucht!

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Nicht ganz öffentlich, nicht ganz privat.

Mit diesen Worten endete die letzte Kolumne. Sie handelte von der Auffindbarkeit von Eingängen, von ihrer Bedeutung für die Fassade eines Hauses und von ihrer Wirkung im öffentlichen Raum. Die Türe und die Schwelle bilden die Grenze zwischen aussen und innen, kalt und warm, ungeschützt und geschützt. Der Übergangsraum zwischen öffentlich und privat ist aber, je nach Platz und Gestaltung, viel grösser. Die Elemente dieser Zone, die vom öffentlichen Gehweg bis zum Wohnraum reicht, habe ich mir  genauer angeschaut.
Die Bilder zeigen Eingänge von Mehrfamilienhäusern, einmal ins Haus, einmal in eine Wohnung. Wir alle gehen hier mehrmals täglich ein und aus, zu jeder Tageszeit, bei jedem Wetter.
Das erste Bild zeigt einen unauffällig gelegenen Eingang in ein Haus mit vier Wohnungen. Wir sehen verschiedene Elemente, die es am Übergang zwischen innen und aussen braucht.
Ein Vordach, unter dem man den Schlüssel suchen, die Post aus dem Briefkasten nehmen oder den Schirm aufspannen kann.
Ein Licht, damit man das Schlüsselloch auch findet.
Ein Belagswechsel im Schwellenbereich, der den Übergang betont. Erhöhte Schwellen stellen Hindernisse dar, die der Barrierenfreiheit zuwiderlaufen. Dies heisst aber nicht, dass die Schwelle keine Bedeutung mehr hat. Mit einem Materialwechsel kann die Schwelle auch ohne Stufe betont werden.
Ein Türgriff, der gut in der Hand liegt, gefertigt aus einem Material, das sich wärmer anfühlt als die Metallstange. Türgriffe gehören zu den Teilen eines Hauses, die wir nicht nur mit den Augen oder mit den Ohren wahrnehmen, sondern auch mit den Händen.
Ein Glas, nicht volltransparent, aber lichtdurchlässig. Es ist sichtbar, ob es auf der anderen Seite Licht hat, und ob sich etwas bewegt. Diese Sichtbarkeit ist von beiden Seiten gleich, und nicht, wie beim Türspion, nur einseitig „ich sehe dich, aber du mich nicht“.

8. EingangIm Wohnungsbau bildet der ganze Erschliessungsraum, sei es Treppenhaus, Gang oder Flur, den Übergangsraum zwischen öffentlich und privat. Das zweite Bild zeigt einen Wohnungseingang auf der Étage. Es gibt zwar den Türspion, aber auch ein nicht-transparentes Glas neben der Türe. Genügend Platz vor der Türe, und eine kleine Bank bieten die Möglichkeit, den Eingangsbereich zu gestalten und somit von den andern, gleichen Eingängen zu unterscheiden. Diese Dinge sind flexibel, und wechseln mit den BewohnerInnen. Das Haus gibt den Rahmen und den Raum.

 

Ihre Fotos und Gedanken zu Schwellen, Türgriffen, Vordächern etc. sind gesucht!

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Das Haus und die Tür

Es gibt einen Ort im Dorf, der mich immer irritiert, wenn ich der Tramstrasse entlang gehe. Es ist die Fassade des alten Schulhauses. Auf einer Postkarte von 1910  zeigt sich das Schulhaus mit einer schlichten, symmetrischen Fassade. Der Eingang liegt in der Mitte, genau dort, wo man ihn aufgrund der Fassadengestaltung erwartet. Sechs Stufen führen von drei Seiten zur Türe. Das Schulhaus zeigt seine Hauptfassade zur Strasse. Dort ist der öffentliche Raum, von dort kommen die Menschen, über die Stufen, durch das Portal ins Haus.
Im Laufe der Zeit hat sich vieles verändert: die Raumbedürfnisse der Schule und der Gemeindeverwaltung, die Verkehrsbelastung der Tramstrasse. Die Eingänge der beiden Gebäude wurden auf die Rückseite verlegt, in einem Zwischenbau zusammengefasst und den neuen Bedürfnissen angepasst. An der Tramstrasse sind die Kennzeichen der alten Türe noch da. Darüber steht immer noch „Schulhaus“ geschrieben. Im Portal befindet sich aber heute ein Fenster, die Stufen sind überwachsen und nicht mehr begehbar. Die Fassade hat ihre Essenz, ihre Mitte verloren.

neues Gemeindehaus

Wie das alte Schulhaus steht heute auch das neueste, das Vinci-Schulhaus an der Tramstrasse. Seine Fassaden sind klar gegliedert und allseitig gleich gestaltet, Weiterlesen

Doppelbilder

Wenn ich dem Stadtbach entlang gehe und ins Wasser schaue, sehe ich meistens zuerst, was sich unter der Wasseroberfläche befindet: Boden, Steine, Pflanzen, Fische. Manchmal konzentriere ich mich darauf zu sehen, was sich in der Oberfläche spiegelt. Plötzlich erscheinen dann, wenn das Wasser ruhig ist, an der genau gleichen Stelle Bäume, Himmel und Häuser. Um diese Spiegelung wahrnehmen zu können, muss ich den Blick bewusst umstellen.
An den Fenstern in der Fassade eines Hauses können ähnliche Beobachtungen angestellt werden. Je nach Tageszeit und Lichtverhältnissen zeigt das Fenster, was dahinter liegt, oder spiegelt es was davor liegt. Ab und zu, zum Beispiel in der Morgen- oder Abenddämmerung, kann beides miteinander sichtbar werden, wie manchmal im Wasser der Himmel und die Fische.
Ich finde es spannend, einmal mit diesem anderen Blick durch das Dorf zu gehen und dabei festzustellen, dass einem die Fenster oft ermöglichen, zwei Orte gleichzeitig zu sehen.

Das erste Bild (siehe oben) zeigt solche Überlagerungen im Schaufenster des Blumenladens. Die Blumen hinter der Fensterscheibe zeigen die Tiefe des Schaufensters. Gleichzeitig ist das gegenüberliegende Gemeindehaus sichtbar. Die Bäume bilden ein schöne Ergänzung zur Fülle der Blumen und Pflanzen, stehen aber auf der anderen Seite der Tramstrasse.

Spiegelung Betonfassade

Das zweite Bild zeigt eine reine Spiegelung. Da die Fenster keine Rahmen und Sprossen haben und bündig sind mit der Betonfassade, wirken sie fast wie aufgeklebte Spiegel. Aus dieser Perpsektive ist kaum erkennbar, wie dick die Betonmauer ist, die Fassade wirkt als dünne Schale.

Mit den Aussenwänden eines Gebäudes wird der Innenraum vom Aussenraum abgetrennt.  Die Fenster stellen die Verbindung zwischen Innen und Aussen wieder her. Sie bilden den Übergang zwischen eng und weit, zwischen warm und kalt, trocken und nass, zwischen dem privaten und dem öffentlichen Raum.

Dienten diese Fassadenöffnungen ursprünglich nur dem Lichteinfall und der Luftzufuhr, so sind im Laufe der Zeit weitere Eigenschaften und Funktionen dazu gekommen. Hinausschauen, hineinschauen, zur Schau stellen oder repräsentieren sind nur einige davon. Das Fenster, dieser Übergang zwischen Innen und Aussen, kann auf unendlich viele Arten gestaltet werden. Das kleine Guckloch, das künstlerisch gestaltete Kirchenfenster oder die Spiegelglasfassade, es gibt kaum ein Element in der Architektur, das in so vielen verschiedenen Formen vorkommt wie das Fenster.

***

Im Zusammenhang mit dem Artikel „Suhr am Wasser“ wurde mir ein Foto zugestellt, auf dem eine kleine Pfütze zu sehen ist, in der sich ein Baukran spiegelt. In diesem einen Bild werden verschiedene Ebenen sichtbar: der konkrete Boden, die Wasserfläche, und der Raum darüber.

Wenn einige von Ihnen Lust hätten, mit dem umgestellten Blick das Dorf zu erforschen, auf der Suche nach Bildern, die über Spiegelungen mehrere Räume und Ebenen gleichzeitig zeigen, könnte eine schöne Sammlung entstehen.

 

Wie sieht Suhr im Spiegel aus?

Ich freue mich auf Ihre Doppelbilder, als Bilder und als Texte!

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Am Ende meines Dorfschreiberinnenjahres, nach zwölf Kolumnen kann aus den eingesandten Reaktionen ein vielfältiges Portrait von Suhr entstehen, gemacht von den Menschen hier.

Pet Zimmermann – de Jager
Zimmermann Architekten
Bachstrasse 33
5034 Suhr

pet.zimmermann@z-arch.ch

 

Spuren von Geschichten

Ich nehme an, dass es vielen Menschen so geht wie mir: wenn ein Gebäude abgebrochen wurde, weiss ich schon bald nicht mehr, wie es dort vorher aussah, was es an diesem Ort für Häuser, Bäume und Gärten gab. Kürzlich sah ich mir die Bernstrasse Ost und West in Google Street View an. Die Aufnahmen stammen vom November 2014. In knapp drei Jahren hat sich das Gesicht von Suhr zwischen Gasthof Kreuz und Möbel Pfister grundlegend verändert. Es hat in kurzer Zeit eine starke bauliche Verdichtung stattgefunden.

Die einen Häuser müssen weichen und neue, grössere Gebäude oder ganze Überbauungen enstehen an ihrer Stelle, das gehört zur Entwicklung eines Ortes. Heute vollzieht sich diese Entwicklung in einem noch nie dagewesenen Tempo. 
Als jene Häuser, die heute verschwinden gebaut wurden, war es einigermassen klar, welche Materialien und Bauweisen zur Verfügung stehen. Heute ist dies für die Planenden und Bauenden weit weniger eindeutig. Es steht eine Vielzahl von Materialien, Konstruktionen und Farben zur Verfügung, und die Anforderungen, die an die Gebäudehülle gestellt werden sind vielfältig, ja teilweise unübersichtlich. Es gilt, in diesem riesigen Angebot Kriterien zu finden, nach denen die Bauten, die den Ort heute und in der Zukunft prägen, geplant und gestaltet werden sollen. Wie entscheide ich, wenn so vieles erhältlich und machbar ist?

Die meisten Häuser, die in den letzten Jahren verschwunden sind haben ihren Ort geprägt, mit ihrer Stellung, ihrem Ausdruck, ihrem Material, ihrem Alter. 
Einige Materialien werden im Alter schöner, andere wirken nach einigen Jahren eher schäbig. Die einen Materialien können in gewissen Zyklen aufgefrischt, geflickt oder erneuert werden, andere müssen dem Anspruch der Dauerhaftigkeit ohne Pflegeaufwand genügen.

Ich habe mich nach Bauten umgeschaut, die bald weichen werden, und nach solchen die bald fertig sind.

Die Spuren auf der Fassade im ersten Bild zeugen von einer bewegten Vergangenheit. Der Verputz weist schadhafte Stellen auf. Er müsste wieder mal erneuert werden, was bei der Grundkonstruktion, vielleicht eine Backstein- oder Betonmauer, auch kein Problem wäre. Mit ihren ganzen, sichtbaren Spuren erzählt diese Fassade eine Geschichte.
Spur neu
Das zweite Bild zeigt ebenfalls einen Massivbau. Allerdings besteht die zweitäusserste Schicht aus Wärmedämmplatten, einem leichten Material. Die sichtbare, äusserste Schicht wird auf diese Platten geklebt. Fertig verfugt entsteht der Eindruck einer aus Klinkern gemauerten Fassade.

Bei traditionellen Bauweisen wissen wir, wie die Materialien gepflegt werden müssen, und wie sie altern. Bei den neuen Konstruktionen wird sich in den kommenden Jahren zeigen, wie sie sich in Wind und Wetter entwickeln, und welche Geschichten ihre Spuren erzählen.

Suhr besteht, wie jeder andere Ort auch, aus Anlagen und Bauten aus den verschiedensten Epochen. Das ganze Gefüge verändert sich laufend, die Einen gehen, andere kommen dazu. Eine sorgfältige Wahl aus der Fülle von Materialien und Konstruktionen kann dazu beitragen, dass der Ort bei aller Verschiedenheit und Veränderung zusammenhängend und unverwechselbar bleibt.

Erzählt das Haus, in dem Sie wohnen oder arbeiten auch eine Geschichte?

Ich freue mich über Bilder und Gedanken zu ihrer Spurensuche!

Am Ende meines Dorfschreiberinnenjahres, nach zwölf Kolumnen kann daraus ein vielfältiges Portrait von Suhr entstehen, gemacht von den Menschen hier.
Pet Zimmermann – de Jager
Zimmermann Architekten
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In verschiedenem Licht

Von meinem Arbeitstisch aus schaue ich an eine Glasfront in Richtung Süd-Ost. An einem sonnigen Tag scheint die Sonne in der ersten Tageshälfte in den Raum, am Nachmittag liegt die Fassade im Schatten. Am Tag weitet sich der Raum über die Fensteröffnungen aus. Ich bekomme die Tageszeit mit, und das Wetter, Lieferwagen, die zu- und wegfahren, Menschen die kommen und gehen. Ich muss dazu nicht ständig hinausschauen.

Abends, wenn es draussen dunkel ist wirkt der Raum völlig anders. Die Öffnungen erscheinen als dunkle, schwarze Flächen. Ich sehe nicht, wer oder was sich draussen bewegt, könnte mich beobachtet fühlen. Der Raum muss von künstlichem Licht ausgeleuchtet werden. 
Aussicht Atelier 2
Das natürliche Licht, das die Innen- und Aussenräume überhaupt sichtbar macht, hat einen direkten Einfluss auf die Atmosphäre im Raum. Wenn beispielsweise die Sonne blendet oder den Raum zu stark aufheizt, müssen wir das direkte Sonnenlicht abschirmen. Ob dies mittels einer belaubten Pergola, eines leichten weissen Vorhanges oder einer Rafflamellenstore geschieht, macht einen Unterschied in der Raumstimmung. Auch die Art wie Farben und Strukturen der Oberflächen das Licht reflektieren wirkt auf die Stimmung im Innen- oder Aussenraum.

Wir kennen Baumaterialien wie Holz, Backstein, Beton, Stahl oder Glas. Wir brauchen sie, um Bauwerke zu konstruieren. Das eigentliche Gestaltungsmittel aber ist das Licht. Das Licht, das sich nicht nur im Tages-, sondern auch im Jahresrhythmus verändert.

Als ich die Bilder für die erste Dorfschreiberin-Kolumne machte, waren die Blätter an den Bäumen noch frisch, hellgrün und fast durchsichtig. Heute biegen sich die Äste unter ihrem Gewicht, das Laub ist satt grün und man sieht kaum noch durch. Im Schatten eines Baumes zu sitzen ist, gerade bei heissen Temperaturen wie wir sie diesen Sommer erlebten, angenehm.

Bald werden sich die Aussenräume wieder sichtbar und spürbar verändern. Das Laub wird sich verfärben, es wird herunterfallen und das Licht wieder durchlassen, wenn die Tage kürzer werden. Wenn der Aussenraum ein Zimmer wäre, wäre es wie wenn die Wände neu gestrichen und die Vorhänge ganz geöffnet würden. Im Sommer sind wir froh über den Schatten, in der dünkleren Jahreszeit schätzen wir das zusätzliche Licht.

Sie mögen sich wundern, warum ich im ausklingenden Sommer das fallende Laub schon anspreche. Der Grund dafür ist, dass ich Ihnen Gelegenheit geben will, Beobachtungen zu machen, die sich von jetzt bis in den nächsten Frühling erstrecken.

Wie verändern sich Innen- und Aussenräume im Tages- und Jahresrhythmus?

Ich freue mich, wenn Sie mir Eindrücke aus Suhr in verschiedenem Licht schicken!
pet.zimmermann@z-arch.ch

Am Ende meines Dorfschreiberinnenjahres, nach zwölf Kolumnen kann daraus ein vielfältiges Portrait von Suhr entstehen, gemacht von den Menschen hier.

Suhr am Wasser

Dort wo ich aufgewachsen bin, ist die Landschaft stark vom Wasser geprägt. Flüsse, Seen und Kanäle bilden viele Kilometer Ufer. Ufer, entlang derer man spazieren und fahren kann, wo man sitzen, spielen, wohnen und das Wasser erleben kann.

Auch Suhr ist geprägt von Wasserläufen: Suhre, Wyna und Stadtbach. Sie sind nicht immer sichtbar, öfters versteckt, aber doch auf vielfältige Weise erlebbar. Auch wenn das Wasser an vielen Orten nicht so präsent erscheint, so sind es doch die Flüsse und Bäche, die Orte verbinden. Von oben betrachtet, und dazu müssen wir heute dank Google Maps kein Flugzeug mehr besteigen, ziehen sich Flüsse und Bäche mit ihren baumbestandenen Ufern als grüne Streifen durch die Landschaft. Die immerwährende Abwärtsbewegung des Wassers macht rauschend, plätschernd, gurgelnd oder dann lautlos erlebbar, wie die Beschaffenheit der Landschaft ist, ob das Gelände steil abfällt oder eher flach, ob das Fluss- oder Bachbett eng ist oder weiter.

Lange Zeit waren Flussläufe unberechenbar und der Aufenthalt am Ufer gefährlich, und vielerorts ist es immer noch so. Der Charakter der Wasserläufe ändert sich aber im Laufe der Zeit. So hat der Stadtbach seine Funktion als Wasserversorgungs- und Industriekanal längst verloren. Trinkwasser, Löschwasser und Energie kommen heute woanders her. Die Ufer und das Wasser werden zugänglicher. An warmen Tagen können die Füsse oder das Bier gekühlt werden, an Wintertagen das Eis vorsichtig betreten.

In der Schwirrenmatte, wo der Bach seit jeher höher liegt als das umliegende Land, und seit einigen Jahren verzweigt ist und Inseln bildet, entdecke ich ein einfaches Gerüstbrett, das vom Ufer zur Insel führt. Das Brett lag wohl nicht immer dort. Kinder haben auf einfache Art eine Brücke vom Ufer zur Insel gebaut und damit neue Plätze erschlossen. Es gefällt mir, dass dort, wo das Wasser zugänglich und ungefährlich ist, ein Ort entstanden ist, der gestaltbar, veränderbar und vielfältig nutzbar ist.

Pet3, Bach coop

An einem anderen Ort, neben dem Coop, hat der Stadtbach einen ganz anderen Charakter. Das Bachbett liegt hier viel tiefer und wird von der Coop-Seite her kaum wahrgenommen. Der schönste Platz ist hier dem Abfallcontainer vorbehalten. Manchmal stelle ich mir vor, anstelle des Containers sitzen Menschen auf einer Terrasse über dem Bach. Das kühle Wasser fliesst unten durch. An einzelnen Stellen führen Stufen zum Wasser hinunter, ein einfacher Holzsteg erschliesst das gegenüberliegende Ufer.

Zwei Beispiele, zwei verschiedene Orte am gleichen Wasserlauf. Sie zeigen, dass Orte und Situationen die sich verändern, immer auch Chancen für Neues bieten. Der Stadtbach, dieses einzigartige Bauwerk, das seinen Ursprung im 13. Jahrhundert hat, könnte durchgehend und vielfältig erlebbar werden, ohne dass seine ursprüngliche Form verloren ginge