Von der Kunst, Kunst zu erschaffen

Manchmal leuchtend und fröhlich wie van Goghs Sonnenblumen, und dann wieder ruhig und schlicht wie die Seerosen von Claude Monet. Ein Gegensatz, der vieles beschreiben kann. Auf zweierlei jedoch trifft er besonders zu: die Malerei und Elisa Bürki.

Sowohl die Kunst als auch Elisa haben viele Facetten. Und viele Inspirationsquellen. Elisa Bürki holt sich ihre Ideen vor allem in der Natur. Regen, Gewitter, Hagel, Regenbögen, der Mond und das Meer haben es ihr angetan. «Besonders interessant finde ich Naturschauspiele; manchmal sehe ich aber auch etwas im Internet, das mich dazu inspiriert, etwas Ähnliches auszuprobieren, und das mir hilft, mit meiner Malerei neue Wege einzuschlagen.» Am allerliebsten jedoch, sagt Elisa, bringe sie ihre Wünsche und schönen Erinnerungen gestalterisch aufs Papier. Früher mit Farbstift und Wasserfarbe, heute mit Acryl.
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Erstaunlicherweise und entgegen meinen Erwartungen interessiert sich Elisa aber weniger für die Kunst an sich als für das Erschaffen von Kunst. «Ehrlich gesagt, Kunstgeschichte ist für mich nicht wirklich wichtig.» Galerien? Kunstmuseen? Sind für sie Habakuk. «Als ich vor einiger Zeit in Paris war und zwei Kunstmuseen besuchte, fand ich es ziemlich langweilig. Oft waren auf den Bildern einfach irgendwelche Leute abgebildet. Natürlich war es faszinierend, wie groß die Gemälde waren, aber irgendwie halt nicht sehr ansprechend.»

Elisa malt also nicht aus Interesse an der Kunst selber, vielmehr treibt sie die Leidenschaft, der Spass und die Möglichkeit an, sich selbst in einer möglichst vielfältigen, farbigen Art und Weise auszudrücken. Sie würde ihr Hobby auch niemals zum Beruf machen: «Einerseits müsste ich viel besser sein, und andererseits wäre es zu anstrengend, immer zu malen – malen zu müssen. Ich finde meine Bilder zudem gar nicht speziell gut. Es macht mir einfach Spass zu malen, auch wenn es fotografiert besser aussehen würde. Ich gebe mir Mühe, klar, aber es gibt immer Leute, die etwas noch besser können. Dies hält mich dennoch nicht vom Malen ab.» Auf den Geschmack gekommen ist sie in einer Themenwoche zur Acrylmalerei. Die Maltechnik und die Interessen haben sich jedoch schnell in andere Richtungen der Kunst ausgebreitet.

Mich interessiert, wie und womit Elisa arbeitet und wie sie sich das finanziert, denn Farben und Pinsel sind nicht ganz billig. «Das meiste bezahle ich mit meinem Sackgeld, ich teile es mir einfach gut ein», erklärt Elisa. Sie steht von ihrem Bett auf und tritt an eine Kommode heran. Äusserlich unscheinbar, doch innen reich an allem, was man als Hobbymaler so braucht. Pinsel, Schwämme, Farben, Bücher… Auf der Kommode und daneben an die Wand gelehnt, stehen die Vorlagen für das Endprodukt, die sogenannte Keilrahmen. Mir fällt auf, dass die Kommode wohl schon öfter mit dem Bild verwechselt wurde, denn überall leuchten mir farbige Flecken entgegen. Das komme schon mal vor, meint Elisa schmunzelnd. Sie habe es mittlerweile aufgegeben, immer alles abzudecken, der Aufwand lohne sich nicht, und sie sei einfach zu faul dafür. Verständlich, da sie sich die Zeit zum Malen oft stehlen muss. Wenn sie sich jedoch an die Arbeit macht, tut sie es immer aus einer guten Laune heraus. Diese Gewohnheit spiegelt sich in den teilweise sehr bunten und formenreichen, abstrakten Bildern gut sichtbar wider, die auf dem Boden stehen oder die Wände des grossen, hellen Zimmers zieren. Motive wie Fische, Quadrate, Dreiecke und diverse fantasievolle Formen tauchen auf verschiedenen Gemälden auf.
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Ein Bild, das mir sowohl farblich als auch inhaltlich ins Auge springt, spreche ich näher an: Am Horizont rosagetünchter Himmel, in dessen Zentrum ein weisses Kreuz prangt, das man über einen langen, von Bäumen gesäumten, in dunkelbraunem Farbton gehaltenen Weg erreicht. Was hat es damit auf sich? Elisa erklärt: «Dieses Bild hat viel mit Erinnerungen und mit meinem Glauben zu tun. Ich mag dieses Motiv sehr.» Wir setzen uns wieder auf das schlichte Bett und trinken einen Schluck Wasser. Dann erzählt mir Elisa von ihrem Glauben: «Gott ist für mich Vater, Sohn und der Heilige Geist», sagt sie. «Sie alle sind Gott – und dennoch unterschiedliche Personen. Ich glaube, dass die Bibel das Wort Gottes ist, dass der Mensch dazu erschaffen wurde, eine Beziehung mit Gott zu haben, aber dass die Schuld erst einmal alle Menschen von Gott trennt. Doch durch den Tod am Kreuz und die Auferstehung von Jesus haben wir jedoch den Zugang zu Gott. Ich glaube auch, dass das, was in der Bibel steht, stimmt und wirklich passiert ist oder noch passieren wird. Aber es geht nicht um Dinge, die man tut oder nicht tut, die geschehen oder nicht geschehen; es geht um die Beziehung zu Gott.» Der Glaube helfe ihr im Alltag, sagt Elisa, nehme ihr oft den Leistungsdruck. Sie betet, liest die Bibel und ist aktiv in einer Gemeinschaft mit anderen Christen, um Gott nahe zu sein und ihren Glauben auszuleben. Man glaubt ihr, was sie von ihrer engen Beziehung zu Gott erzählt. Doch war das schon immer so? Könnte sie sich ein Leben ohne Gott überhaupt vorstellen? «Ich bin so aufgewachsen, so erzogen worden. – Früher war der Glaube für mich eher ein Nachmachen, keine Herzensangelegenheit. Später habe ich mich aber bewusst für eine Beziehung zu Jesus entschieden, und ich denke nicht, dass sich das je ändern wird.» So wunderbar das alles klingt – Elisa hat durchaus manchmal Zweifel und hinterfragt ihren Glauben. Dennoch will sie diese Lebenseinstellung irgendwann an ihre Kinder weiter geben.

Kinder, eine Familie gründen – das ist nur einer der Wünsche von Elisa. Sie träumt auch von Freiheit, dem Meer, der Möglichkeit, alles hinter sich zu lassen. Und da ist noch ein eher aussergewöhnlicher Wunsch, der ihr seit einiger Zeit nicht aus dem Kopf geht: «Ich würde gerne einen eigenen Bettwäscheladen führen, weil Schlafen so schön ist, besonders mit der Lieblingsbettwäsche.» Eine sehr ausgefallene Idee, die zeigt, wie vielfältig Elisas Interessen sind. Und es wäre sicher eine gute Möglichkeit, ihre künstlerische Ader mit dem Geldverdienen auf interessante und abwechslungsreiche Weise zu vereinigen. Humor und Fantasie hat der Schokoladenjunkie, das muss man ihr lassen. – Und dann sagt sie, erst einmal würde sie aber schon gerne Primarlehrerin werden und eben: heiraten, eine Familie gründen.

Es beginnt zu regnen draussen. Plötzlich prasseln die Tropfen nur so gegen das Fenster, wodurch sich Elisa aber kaum aus dem Konzept bringen lässt. Das würde auch nicht zu ihr passen. Sie sei allgemein ein eher ruhiger, fröhlicher, zurückhaltender und zufriedener Mensch, findet sie. Freunde und Familien schätzen an ihr vor allem ihr immer offenes Ohr, ihren Rat und ihr Organisationstalent. Etwas jedoch gibt es, was sie völlig aus der Fassung bringt: Spinnen. Die möge sie absolut überhaupt gar nicht. Da sei ihr ihre Katze, die neben uns auf dem Bett liegt, ein Schläfchen hält und zum Dank für meine Streicheleinheiten wohlig schnurrt, mindestens tausend Mal lieber. Wir schauen uns an. Ich denke: verständlich.

Elisa ist ein bescheidener und geselliger Mensch, versteht sich mit all ihren fünf Geschwistern gut. «Fünf Geschwister?», frage ich erstaunt nach und gehe im Kopf die Stockwerke des Hauses und die Grösse der Zimmer durch. «Ja fünf!», bestätigt sie lachend. «Klar, ich finde das super, und ich verstehe mich auch gut mit ihnen.»
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Ein Familienmensch also ist Elisa auch. Eine weitere Facette ihrer vielfältigen Persönlichkeit. Und diese Vielfalt zeigt sich auch in ihren restlichen Interessen. Jungschar mitleiten, lesen, Klavier spielen, backen… Man könnte fast meinen, ihr Leben bestehe nur aus Freizeit. «Schön wär’s», meint sie grinsend. Denn natürlich besteht auch Elisas Leben überwiegend aus Alltag. Und der hat es in sich. Elisa hat gerade mit der Fachmittelschule, Fachrichtung Pädagogik, angefangen. Das verschlingt zwar viel Zeit, dennoch lässt sie es sich nicht nehmen, ihren zahlreichen Leidenschaften zu frönen.

Und wer weiss, wohin ihr Weg sie noch führt. Irgendwann mal, vielleicht, werde ich im Pariser Louvre stehen. Zwischen all den Bildern von langweiligen Leuten hängt ein tolles, buntes und fantasievolles Bild, das ich nicht lange genug betrachten kann. Ein künstlerisches Meisterwerk. Und ich freue mich darüber, dass ich seine Erschafferin schon seit ihren Anfängen kenne.

Ursina Mühlethaler

 

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