Das Haus und die Tür

Es gibt einen Ort im Dorf, der mich immer irritiert, wenn ich der Tramstrasse entlang gehe. Es ist die Fassade des alten Schulhauses. Auf einer Postkarte von 1910  zeigt sich das Schulhaus mit einer schlichten, symmetrischen Fassade. Der Eingang liegt in der Mitte, genau dort, wo man ihn aufgrund der Fassadengestaltung erwartet. Sechs Stufen führen von drei Seiten zur Türe. Das Schulhaus zeigt seine Hauptfassade zur Strasse. Dort ist der öffentliche Raum, von dort kommen die Menschen, über die Stufen, durch das Portal ins Haus.
Im Laufe der Zeit hat sich vieles verändert: die Raumbedürfnisse der Schule und der Gemeindeverwaltung, die Verkehrsbelastung der Tramstrasse. Die Eingänge der beiden Gebäude wurden auf die Rückseite verlegt, in einem Zwischenbau zusammengefasst und den neuen Bedürfnissen angepasst. An der Tramstrasse sind die Kennzeichen der alten Türe noch da. Darüber steht immer noch „Schulhaus“ geschrieben. Im Portal befindet sich aber heute ein Fenster, die Stufen sind überwachsen und nicht mehr begehbar. Die Fassade hat ihre Essenz, ihre Mitte verloren.

neues Gemeindehaus

Wie das alte Schulhaus steht heute auch das neueste, das Vinci-Schulhaus an der Tramstrasse. Seine Fassaden sind klar gegliedert und allseitig gleich gestaltet, seine einladende Geste liegt im Innern. Die Fassade zur Tramstrasse ist auch von der mittleren Dorfstrasse her gut sichtbar. Auf dieser Seite befindet sich kein Eingang. Bei diesem Bau, der sich stark nach innen richtet, ist der Eingang zurückhaltend gestaltet und nicht selbstverständlich auffindbar.

Einladende Eingänge
Der Eingang als Geste, die einlädt und empfängt, und wo der Übergang von aussen nach innen stufenweise erfahren werden kann, scheint nicht mehr den gleichen Stellenwert zu haben wie früher. Ladentüren öffnen automatisch, wenn wir kommen, warme Luftschleier machen es sogar möglich, bei kalten Temperaturen die Türen ständig offen zu lassen, ein Haus kann ohne Berührung, Verlangsamung und Anstrengung betreten werden.
Klar erkennbare Eingänge scheinen mir für das Wohlbefinden in Stadt, Dorf und Quartier aber noch genau so wichtig wie früher. Einladende Eingänge können dazu beitragen, dass wir uns zurechtfinden und orientieren können. Ich mag es, sich begrüssen und verabschieden zu können in diesem geschützten  Übergangsraum, nicht ganz drinnen und nicht ganz draussen, nicht ganz öffentlich und nicht ganz privat.

 

Ihre Fotos von Eingängen, von diesen Übergangsräumen zwischen innen und aussen sind gesucht!
Nach zwölf Kolumnen enststeht eine Ausstellung mit Ihren Beiträgen; ein Portrait der Gemeinde Suhr, gemacht von den Menschen hier.

Bitte schicken Sie Ihre Fotos oder Texte zu diesem, oder einem der anderen Beiträge (www.dorfschreiber.ch) an:
Pet Zimmermann
Zimmermann Architekten
Bachstrasse 33
5034 Suhr
pet.zimmermann@z-arch.ch

oder per whatsapp oder sms auf die Nummer 078 713 44 17

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