Bodenbilder

In der warmen Jahreszeit erfahre ich wieder wie es sich anfühlt, wenn ich draussen barfuss unterwegs bin. Wie ich den Kies mit den Füssen behutsam abtasten, und den Druck verteilen muss, wie die Wiese kühl und weich ist, und wie ich den heissen Asphalt möglichst wenig berühren will. Und ich nehme Altbekanntes wahr, wie den Geruch der aufgeheizten Strasse nach einem Gewitterregen oder den Duft einer frisch gemähten Wiese.

Auch höre ich nachts, bei offenem Fenster, ob jemand zu Fuss oder mit dem Velo über den Kiesweg kommt. Diese Sinneseindrücke haben alle mit der Beschaffenheit des Bodens zu tun. Verglichen mit anderen Elementen der gestalteten Umwelt wird der Boden ausser mit den Augen auch, oder vor allem, mit anderen Sinnen wahrgenommen. Als ich realisierte, dass ich den Blick selten bewusst auf den Boden richte – es wäre mit der Zeit auch nicht ganz ungefährlich – habe ich angefangen, den Boden genauer zu betrachten wenn ich in Suhr unterwegs bin. Die Zunahme des Verkehrs und die damit verbundenen Anforderungen an die Bodenbeläge führen dazu, dass der Gestaltungsspielraum im öffentlichen Aussenraum immer kleiner wird. Eine nicht asphaltierte Strasse ist ein seltenes Bild.

Boden teer

Eine neu geteerte Strasse wirkt aufgeräumt, wie eine frisch gemähte Wiese. So wie die Wiese sich verändert, und wieder und wieder gemäht werden muss, so verändert sich auch die Oberfläche der Strasse. Klima, Verkehr, Reparaturen an darunter liegenden Leitungen, manchmal auch die Kraft des Wurzelwerks von unten führen dazu, dass der Belag immer wieder geflickt werden muss. So verändert sich die Oberfläche der Strassen und Wege mit den Flicken. Es entstehen Bodenbilder, die nicht gewollt sind und nicht geplant wurden. Geflickte Risse wirken am einen Ort wie fremde Schriftzeichen, an einem anderen Ort scheint ein Kopffüssler über die Strasse zu rennen.

Diese Zufallsbilder sind da, bis irgendwann der Belag ganz erneuert werden muss, und die Strasse wieder wirkt wie die frisch gemähte Wiese. Es können Zahlen, Streifen und Dreiecke darauf gemalt werden, und die Strasse ist wieder wie neu. So wie in der Wiese bald der Klee erscheint, machen sich im Asphalt die ersten Frostschäden bemerkbar, und es entstehen wieder neue Bilder.

In Gärten, Parks und auf Plätzen wird sichtbar, wie vielfältig der Boden gestaltet werden kann. Ohne Tafeln und Signalisationen ist meist klar, welche Fläche wofür genutzt werden kann und darf. Auf den Strassen scheinen die Nutzungen nicht so vielfältig. Wie wäre es, wenn auf einer Strasse der Belag einmal spürbar wechseln würde? Interessante Zufallsbilder wären auch dann noch genügend da.

Bodenbilder:
Was sehen Sie, wenn Sie den Blick auf den Boden richten?

Ich freue mich, wenn Sie mir Bilder, Gedanken und Geschichten zum Suhrer Boden schicken!

Am Ende meines Dorfschreiberinnenjahres, nach zwölf Kolumnen kann daraus ein vielfältiges Portrait von Suhr entstehen, gemacht von den Menschen hier.

Pet Zimmermann – de Jager
Zimmermann Architekten
Bachstrasse 33
5034 Suhr
pet.zimmermann@z-arch.ch

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